Klischee ade.

Gestern war Freibad. Nach sehr arbeitsintensiven Wochen davor hatte ich gestern endlich etwas Muße und dachte mir: Montag Vormittag, eineinhalb Stunden Zeit bis zum nächsten Termin, ich gehe schwimmen.

Das Freibad war sehr leer. Auf der Liegewiese fanden sich hauptsächlich nahtlos durchgebräunte Rentner und ein paar Familien mit kleinen Kindern. Ich schwamm meine paar Bahnen, warf mein Handtuch auf die Wiese und lies mich trocknen. Herrlich.

Dann plötzlich: Lauter youtube-Sound von links. Offensichtlich irgendeines dieser vermaledeiten Quatschvideos, die gerne auch über whatsapp von mittelalten Tanten verschickt werden. Eines nach dem anderen in voller Lautstärke, dazu lautes Gelächter und Gegacker. Immer diese Teenies denke ich mir und schaue rüber. Ich muss revidieren. Immer diese Rentner! Da sitzen Omma eins und Omma zwei mit Oppa eins, schauen sich auf einem Smartphone Unsinn an und lachen sich krumm.

Eigentlich ganz süß. Denke ich. Würden sie nicht grade in meiner ein-Stunden-Idylle liegen. Ist eh fast rum die Zeit, ich packe zusammen und mache mich auf zum nächsten Termin.

Und die Moral von der Geschicht? Das Vorurteil hat manchmal Gicht.

Klischee ade.

Wortklauberei.

Im Mai wird meine Tochter vier. Und sie quasselt praktisch ununterbrochen. Das ergibt dann diese wunderbaren und für nicht-Eltern manchmal nervigen Anekdoten. Die schönste auf unserem Papier bisher: Es geht um das diffizile Thema Sterben. Die Oma C. zum Opa H., die gibt es schon länger nicht mehr. Wo die hin ist, wenn sie gestorben ist, fragt das Kind. Und ich sage, alte Geschichten nachplappernd, im Himmel. Das Kind überlegt kurz und fragt dann, ob wir sie da nicht besuchen könnten. Mit dem Flugzeug. Schließlich wären wir auf dem Weg in den Urlaub auch in den Wolken gewesen. Kurz bleibt mir die Spucke weg und ich stelle fest, das der alte christliche Hokuspokus in unserer technisierten Welt nicht mehr so recht funktioniert.

Und etwas anderes fällt mir an der Sprache meiner Tochter auf.
„Mama, ich liebe Schokoladeneis! Und ich liebe die Kindergartentante 1 und die Kindergartentante 2!“

Ist das schön. Ich bilde mir ein wir sind früher über „mögen“ nicht hinaus gekommen. Und eigentlich schränkt das die Zugewandheit doch ordentlich ein, wenn man etwas höchsten „mögen“ darf. Oder hat sich da schon der amerikanische Sprachgebrauch durchgesetzt? I’m lovin‘ it? Na wir werden sehen. Zur Zeit jedenfalls, genieße ich das. Und bin gespannt, wann das hassen folgt. Vielleicht dann mit fünf, spätestens wohl mit Vierzehn.

Wortklauberei.

Tolle Wolle.

Schon seit längerem fasziniert mich das alte Handwerk des Strickens. Das hat heutzutage nur noch sehr wenig mit diesen mörderischen Polyester-Biestern von Oma zu tun, die als sackförmiges etwas an unglücklichen Kinderkörpern hingen. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Menschen, die hochwertige Wolle in Kleinmengen herstellen, färben und verkaufen. Menschen, die Strickmuster entwerfen, bunt, wild, schlicht, schön, kreativ. Da wird Wolle kaufen zur Schatzsuche. Und auch wenn man nicht strickt, kann man tagelang mit den Strängen kuscheln, es spricht Haptik und Herz gleichermaßen an.

Und dann gibt es da noch etwas. Erinnert Ihr Euch an die Brieffreundschaften als Kind? Das zappelige warten, bangen hoffen, ob da noch was kommt? Was da wohl kommt? Genau. Dieses Gefühl stellt sich wieder ein, wenn man bei woolswap teilnimmt. Hier geht es, wie der Name schon sagt, um Wolltausch. Die Idee dahinter: Manche Garne sind in Europa schwer zu bekommen, andere Materialien gibt es nur in Asien oder in den USA.

Alle paar Monate können sich StrickerInnen auf woolswap registrieren, werden einander zugelost und nehmen zunächst einmal Kontakt auf. Man entscheidet, ob man nur national oder international tauschen möchte. Und dann schnürt man ein Päckchen für den Wolltausch-Brieffreund. Natürlich mit Wolle und dazu noch so allerlei, was dem Menschen auf der anderen Seite der Welt, in meinem Fall eine Dame aus der Nähe von San Francisco, gefallen könnte. Was hat mir das Spaß gemacht.

Dann schickt man sein Päckchen und wartet.

Und dann kommt ein Päckchen.

Ich bin ausgeflippt. Aber so richtig. Und habe das Päckchen zuerst aus, dann wieder eingepackt. Und immer, wenn die Tage schlecht sind, knuddel ich dieses unfassbare Shibui-Garn. Und klimpere mit meinen Maschenmarkierern. Und schnuppere an den Lo-Lo-Bars. Es ist fantastisch. Und ich bin geschüttelt und gerührt. Und kann nur jedem empfehlen einmal im Leben einem völlig fremden Menschen ein Päckchen zu schnüren und zu tauschen. Weihnachten könnte nicht schöner sein.

 


 

 

Tolle Wolle.

Alles neu.

Irgendwann, damals, machte ich mich selbständig. Da braucht frau eine Website. Schnell und praktikabel, trotzdem schön, aber vor allem hopphopp. Und dann, einige Jahre später, denkt man so bei sich: Das sieht ziemlich 1999 aus. Das könnte man mal schön machen. Noch ein paar Jahre später, also jetzt, kommt frau dazu. Und macht neu. Die Website. Und tada! Da ist sie!

www.gruenkariert.com

Ich freue mich so. Alles drin. Was ich beruflich mache. Was ich sonst so mache. Und vielleicht noch machen werde darf dann auch einen Platz finden. Schön ist das. Habt Freude und schaut Euch um. Ich bin redundant heute, aber: Ich freue mich. 🙂

Alles neu.

Edinbrraaa.

Vor einer Weile hatten wir Urlaub. Von Kind und Kegel und dem alltäglichem Wahnsinn. Mal 4 Tage raus und weg. Wir flogen nach Edinburgh oder wie der Schotte sagt: Edinbrrraa. Mit rollendem r und langem a. Um es kurz zu machen: Es war sehr schön. Die Stadt ist höchst empfehlenswert. Man hat nicht das Gefühl, das Touristenecken ausschließlich für Touristen gemacht sind und auch die Einkaufsmeile hebt sich angenehm von dem H&M-Starbucks-Zara-Gedöns-in-Dauerschleife der klassischen europäischen Großstadt ab. Es gibt viele kleine garagenformatige Lädchen mit Schönem und Verrücktem. Und die Pubs sind natürlich immer gut. Außerdem haben wir so unglaublich gut gegessen, dass ich eigentlich gleich noch einmal los will. Also mach es gut, Edinburgh, we will meet again, soon.

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Edinbrraaa.

Nicht alltäglicher Wahnsinn.

Vor einigen Jahren gab es im TV so Hunde-Erziehungsserien. Hund Rambo war sehr aggressiv und eigentlich nur ängstlich, beim anderen war Herrchen oder Frauchen etwas unsicher und Burschi hat gemacht, was er wollte, oft war es eine Frage der Beziehung.

In einer Folge gab es ein Hundepaar, einen großen gemütlichen und einen kleinen agilen, die bei Abwesenheit der Menschen jedes Mal die Wohnung in ein Schlachtfeld verwandelten. Die Fernsehmenschen installierten Kameras und man konnte deutlich sehen, wie der kleinere den großen anstiftet. Am Ende räumten sie den Kühlschrank aus, warfen Blumenvasen vom Tisch und zerbissen Schuhe. Die Lösung war ein Halsband, das bei schlechtem Benehmen einen Sprühmechanismus aktivierte. Der Hund wurde nass. Das Gesicht, soweit man davon sprechen kann, des kleinen agilen Hundes als er vom Strahl getroffen wurde, war unbeschreiblich. Ein paar mal hat er noch die Grenzen getestet und sich dann entschlossen, diese nicht mehr zu überschreiten. Zu unangenehm die Erfahrung ungewollt geduscht zu werden.

Möglicherweise lässt sich das Prinzip auf Menschen übertragen. Möglicherweise könnte man auch den zarten Wasserstrahl gegen so einen Eiskübel aus der Sauna tauschen. Bei jeder abfälligen, gehässigen, egozentrischen, herabwürdigen Bemerkung einfach mal – zack – einen Kübel leeren. Zum Lernen. Weil es verletzt und Grenzen überschreitet. Weil es anders nicht einzudämmen ist.

Ein Gedankenspiel. Und ganz ehrlich würde mich interessieren, welche wahre Emotion darunter zum Vorschein kommt. Wie bei Rambo oder Burschi eben. So groß scheint mir der Unterschied zwischen Hunden und Menschen in diesem Punkt nicht zu sein.

Nicht alltäglicher Wahnsinn.

Rhythmus.

Es ist ein wenig verhext bisher, dieses Jahr 2017. Fing es erst mal gut und ordentlich an, kam Mitte Januar dann eine kleine, geplante OP, die mich doch erst mal zwei Wochen ausschaltete, dann mit Komplikationen aufwartete und seit dem, also circa seit Anfang Februar, plagt mich ein grippaler Infekt. Bisher hat es also noch nicht wieder so recht geklappt mit einem guten Rhythmus, dem normalen Alltag. Immer stolpere ich ein wenig den Projektdeadlines hinterher oder jage meine Tochter mit dem Taschentuch, denn die hat es auch erwischt.

Heute scheint dann endlich mal die Sonne und gleich hat es bei uns unfassbare 18° Celsius. Da kann man von den Moonboots direkt ins T-Shirt springen. Wunderschön und anstrengend gleichermaßen.

Ich freue mich darauf, endlich wieder unseren Terrassen-Garten nutzbar zu machen, die dicken Schuhe im Keller einzumotten für nächstes Jahr und die Jacke zuhause zu lassen. Und vielleicht klappt das dann auch endlich wieder mit der Gesundheit und dem Rhythmus. Derweil folgen wohl noch diverse Wasserfarbenkunstwerke, Strickstücke und Taschentuchjagdszenen. Hat ja unter Umständen auch mal was, so ein wenig Unsortieriertheit.

Rhythmus.