Zu laut.

Draußen ist Herbst. Mit allen Facetten. Das Licht kitschig golden, manchmal dauerverregnete Tage, Nebel und hin und wieder schon eine Kälte, die die Knochen durchschüttelt. Blätter fallen, wie jedes Jahr und doch sind die Dinge anders.

Drinnen ist Geschrei. Trump twittert vornehmlich in Großbuchstaben, Corona treibt die wildesten Theorien aus den Menschen heraus, Wahlkampfplakate brüllen ihre Botschaften von Laternen. Wer nicht schreit hat nicht zu sagen, so scheint es.

Es ist so anstrengend. Das dauernde Gebrüll, das Besserwissen, das: Ich-muss-nur-lauter-sein-als-mein-Gegenüber.

Wann genau haben wir verlernt, wie Dialog funktioniert? Wann haben wir verlernt zuzuhören? Seid wann gibt es nur zwei Seiten und eine davon muss die andere niederringen? Waren wir nicht schon weiter? Durften nicht mal Dinge auch nebeneinander existieren? Meinungen, Diskurse, Abwägen, mal eine Nacht drüber schlafen?

Mir ist das alles oft zu laut. Vielleicht sollten wir öfter durch den Herbstwald laufen und den Blättern beim Rascheln zuhören. Verlernt man ja direkt, auf die kleinen Töne zu achten. Und ganz nebenbei entkommt man dann auch dem Gebrüll der Welt. Ganz unkompliziert. Und leise.

Zu laut.

Muffensausen.

So. Da hat man die also alle gewählt, wie sie jetzt da sitzen. Bolsonaro, Trump, grade frisch wieder Duda in Polen, Erdogan und Co. Und dann kommt Corona. Also ein tatsächliches, reales, bedrohliches Problem, für das es vorläufig nur wenige Experten gibt, auch wenn sich sehr viele dafür halten. Und plötzlich bröckeln Fassaden. Covid19 zeigt sich unbeeindruckt von Message Control, von „Es wird schon verschwinden, weil ich bin Experte in allem“-Sagern, unbeeindruckt davon niedergeschrieen und herabgewürdigt zu werden, diese freche „kleine Grippe“. Stattdessen steckt es dann einfach mal Bolsonaro an. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Es fühlt sich so an, also ob diese alten weißen, an dieser Stelle mag ich gerne noch hinzufügen: cholerischen Männer, sich grade ins Höschen machen. Weil ihre Strategien nicht mehr funktionieren. Nur mehr laut sein, lauter als andere, provokanter als andere, funktioniert nicht mehr. Der „starke“ Mann ist abgemeldet.

„Der Präsident reagiert auf all das aggressiv bis hilflos. Beispielsweise in der Corona-Krise“ lese ich auf Zeit Online über Bolsonaro.

„Der Präsident bekommt Muffensausen“ steht auf sueddeutsche.de in der Headline über Trump. Muffensausen ist ein zauberhaftes Wort by the way, das sollte ausdrücklich wieder öfter verwendet werden. 15-Prozent-Punkte liegt Trump aktuell hinter seinem Herausforderer Joe Biden, der eigentlich nichts dafür tun muss vorne zu bleiben, außer hin und wieder mal einen vernünftigen – ach was sag ich – einen grammatikalisch korrekten – Satz abzusetzen.

In Krisen sind anderes Skills gefragt. Umsicht. Experten zuhören. Abwägen. Unaufgeregt kommunizieren. Fehler zugeben. Strategien anpassen.

Vielleicht gucken wir mal in die zweite Reihe. In die leiseren Reihen. Und hören zu. Da gibt es gute Ideen Dinge zu tun. Dinge zu ändern. Nachhaltige Vorschläge. Menschen, die nur darauf aus sind, sich im Licht ihrer Position zu sonnen, helfen der Welt nicht weiter.

Muffensausen.

Liebe Welt,

Ich dachte, ich schreibe Dir mal, denn ich habe das Gefühl: Irgendetwas stimmt gerade nicht mit Dir. Irgendwie laufen die Dinge aus dem Ruder. Irgendwie haut da etwas gerade so gar nicht hin. 

Ich bin eigentlich ein besonnener Mensch. Ich denke gerne über Dinge nach, bevor ich mich äußere. Ich mag Menschen und ab und zu meine Ruhe. 

Aber jetzt ist es anders. Wenn ich ehrlich bin: Ich habe die Wut. Zuerst war sie klein, eher ein Unwohlsein. Aber es ging nicht weg. Es ist gewachsen. Und mit mehr Lesen, mehr Informieren, mehr Hingucken wächst sie weiter, die Wut. Und jetzt muss es einfach mal raus:

Ich habe eine unbändige Wut. 

Eine unbändige Wut auf Menschen, die andere Menschen umbringen, weil sie eine andere Hautfarbe haben. 

Auf strukturelle Ungerechtigkeiten die andere Hautfarben, Frauen, Gender, Minderheiten systematisch benachteiligen. 

Auf Blame-Gamer die sagen: Blame-Gaming ist doch Unsinn, aber die Chinesen sind schuld. 

Auf Weg-Gucker, die nicht reagieren, wenn sie Ungerechtigkeiten, Übergriffe sehen und die Schwachen alleine lassen. 

Auf Sei-Leise-und-Pscht-Sager, auf Das-Gehört-Sich-Nicht-Murmler, denen es ausschließlich um den Erhalt ihrer Privilegien geht. 

Eine unbändige Wut auf Nichts-Tuer. 

Auf Herum-Schreier. 

Auf Sich-im-Recht-Fühler. 

Auf Das-Wird-Man-Ja-Wohl-Noch-Sagen-Dürfen-Menschen.

Auf Message Control.

Auf Männer, die laut schreien, wenn sie eigentlich besser die – mit Verlaub – Fresse halten sollten. 

Auf Menschen, die Bildung nicht fördern, damit möglichst viele dumm gebliebene Idioten später die gleichen dummen Idioten wählen. 

Auf Familien-Ministerinnen, die Babys PR-wirksam Hunderter zustecken.

Auf Unternehmen, die Riesen-Dividenden auszahlen und Kurzarbeitergeld einstecken.

Auf Wirtschaftskammer-Bosse, die mit Magnum-Flaschen posieren und wieder genießen.

Auf Präsidenten, die mit der Bibel in der Hand Militäreinsätze in Washington anordnen. 

Auf Kanzler, die meinen Hilfs-Auszahlungen kämen nicht an, weil die Betroffenen ja nicht in der Lage seien Ihren Namen zu schreiben. 

Auf müdes Klatschen für systemrelevante Berufe ohne substantielle Unterstützungen anzubieten. 

Auf Golf- und Segelflug-Platz-Öffner, die sich nicht einen Deut Gedanken um Eltern und Schulen machen. Und darum, wie systemrelevante Eltern das eigentlich schaffen sollen. 

Wann ist der Humanismus eigentlich derartig den Bach herunter gegangen? 

Und, ja, surprise, surprise, ich bin emotional. Scheiße noch eins, ich werde das auch noch eine Weile bleiben. Weil ich wütend bin.

Weil ich mich, wenn ich nicht mehr wütend wäre, hinlegen müsste, um zu weinen. 

Weil ich keine Antworten habe. Weil ich, wie so viele andere hoffe, dass klügere Menschen als ich Antworten haben. Weil ich ohne Wut zu erschöpft wäre, um meine Systemrelevanz zu erfüllen. 

Nein. Ich habe keine Antworten. Aber ich habe Fragen. Und ich finde, das ist schon mal ein ziemlich kluger Anfang.

Liebe Welt,

Zwischenmenschlich.

Auf dem Weg heute ins Büro, spät, so gegen 11 Uhr, laufe ich durch die Stadt. Viele Menschen unterwegs, brav gehaltener Abstand ein paar Masken. Mir begegnet eine ältere Dame, ich kenne sie vom Sehen. Wir grüßen uns immer. Seit einiger Zeit, wenn ich ihr begegne, grinst sie verschwörerisch. Ich grinse dann verschwörerisch zurück. Ich mag das. Es ist fast so, als würden wir ein stilles Gespräch führen, bei dem wir uns einig sind und ich antworte immer innerlich mit einem ebenso stillen: „Da sind wir uns total einig.“

Heute hat sie Blumen auf dem Arm und spricht mich an. „Sie sind auch immer so nett, das musste ich jetzt mal sagen!“ Ich muss grinsen und murmele eine indifferente Antwort, weil ich leicht überrumpelt bin, lobe ihre Blümchen, die wirklich zauberhaft sind. Ein kleiner Lichtblick inmitten dieser ganzen verrückten Zeit. Gesagt habe ich nicht viel. Aber gedacht habe ich: „Ich wusste es. Wir sind uns wirklich total einig.“ Und dabei habe ich vermutlich breit gegrinst.

Zwischenmenschlich.

Maske.

Jetzt habe ich auch eine. Sie ist rosa, hat vorne ein paar Blümchen drauf und verdeckt gefühlt zwei Drittel meines Gesichts. Es fühlt sich sehr merkwürdig an. Bei dem Versuch eines Selfie zu schießen fällt mir auf, wie schwierig es ist, nur mit den Augen zu kommunizieren, noch einmal mehr, wenn man Brille trägt. Eine weitere Barriere also. Zum Schutze aller.

Barrieren. So viele davon, so viele neu. Niemanden mehr umarmen zur Begrüßung, keine Hände schütteln, Distanz waren. Unsichtbare Barrieren. Es fällt mir schwer Menschen großräumig zu umkreisen, ich mag das Gefühl nicht. Ich suggeriere gewissermaßen meinem Gegenüber er oder sie hätte die Pest. Oder Cholera. Oder eben COVID-19. Und muss gemieden werden. Ich mag das ganz und gar nicht.

Ich mag Nähe und Berührungen zur Begrüßungen. Ich mag Menschen mehr als ich dachte. Ich mag lockeres Grüßen, anlächeln ohne Masken und ich vermisse sogar den Einkaufswagen in den Hacken von der älteren Dame hinter mir, die sich im Abstand verschätzt. Ja, sogar das. Ich vermisse den Buschfunk im Büro, das zwischen den Zeilen hören und spüren im direkten Kontakt.

Die Maske liegt jetzt neben mir auf dem Tisch. Ich werde sie später in die Tasche packen, ab jetzt immer dabei haben. Das Accessoire der Saison. Und ausnahmsweise hoffe ich, dass ich dieses erworbene Kleidungsstück sehr bald schon zur Altkleidersammlung geben kann. Weil: Barrieren liegen mir nicht.

 

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Maske.

Sprachlos.

Ab heute darf man hier in Österreich nur mehr alleine spazieren gehen oder mit Menschen, die im gleichen Haushalt wohnen. Ab heute ist unsere Tochter für vier Wochen zuhause und nicht in der Schule. Ab heute haben Restaurants und Geschäfte geschlossen.

Ganz ehrlich: Hätte mir jemand vor zwei Wochen erzählt, was da kommt, ich hätte ihn umstandslos für bekloppt erklärt.

Und auch ehrlich: So recht kann ich mir das immer noch nicht vorstellen. Wir halten uns dran. Machen home office. Gehen in unser Büro – was quasi home office ist – weil entweder ich oder mein Mann dort dann völlig alleine sitzen. Und wir auch zu Fuß mit, genügend Abstand zu anderen Menschen, dort hin gelangen können.

Es ist ein Privileg, das einfach so zu können. Und auch ein Privileg, dass uns das vermutlich finanziell nicht den Hals bricht. Es geht weiter. Irgendwie. In anderem Rhythmus. Der Vorteil der Selbständigkeit, irgendwas ist immer, irgendwas ist immer anders oder neu. Oder nicht wie geplant. Wir kriegen das hin, wir kennen das schon.

Ein dickes Shout-Out dazu an alle, die das Glück nicht haben, einfach ihren Laden dicht machen zu können ohne sich zu fürchten. Die den gesamt-großen Laden am Laufen halten und – guess what – das sind hauptsächlich Frauen. Die Damen aus dem Einzelhandel, die an Belastungsgrenzen arbeiten, Pflegepersonal, Mütter. Plötzlich wird sichtbar, wie wichtig Frauen für das gesellschaftliche Funktionieren sind. Ich wünsche mir von Herzen, dass es am Ende kein kurzes, warmes, feuchtes „Danke“ wird, Händedruck ist ja grade sowieso zum Vergessen, sondern das es sich über Corona hinaus auszahlt. Goutiert wird. Regelmäßig und weiterhin.

Bleibt gesund, ihr alle, hoffen wir, dass sich der Wahnsinn lohnt und wir stabil in den Sommer kommen. Ich umarme Euch virtuell, wir sehen uns, haltet die Stellung. Alles wird gut.

 

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Sprachlos.

Oh Du sowas von Fröhliche.

Der See hat schlechte Laune. Ich weiß nicht warum, eigentlich ist das Wetter recht schön. Andererseits ist Vorweihnachtszeit. Diese besinnliche, ruhige, Zeit, in der alles so harmonisch daher kommt, die Menschen doppelt so freundlich sind wie praktisch nie während des restlichen Jahres und Kinder mit leuchtenden Augen an der Hand von perfekten Omis und Opis Auslagen betrachten:

Pustekuchen.

Nein, so ist die Vorweihnachtszeit eher nicht. Beginnend mit Lebkuchen im Regal Ende August, weiterführend mit musikalischem „Ach-Was-Sind-Wir-Alle-Fröhlich-Genau-Wie-Last-Christmas“-Melodien-Terror, zugeballert mit Milliarden von „Jetzt-Kaufen-Unschlagbares-Angebot!“-Newslettern und Werbeplakaten, nein, so richtig entspannt, ruhig und weihnachtlich fühlt sich das alles nicht an.

Es fühlt sich eher so an, als würde man dauerhaft der perfekten Idee von Weihnachten jedes Jahr auf’s neue hinterher hecheln, nebst all den Jahres-Abschluss-To-Do’s, die sonst so auf Listen stehen und dem ganz normalen, profanen Alltag. Also doppelte Belastung. Rennen wie eh schon und dazu noch ein bisschen mehr rennen, um das perfekte Geschenk zu finden (oder überhaupt noch eines pünktlich), um einen Advents-Kranz respektive Kalender zeitig parat zu haben, um Nikolaus bloß nicht zu vergessen (Schuhe putzen!) und um dann auch noch total gechillt abends tief seufzend bei Kerzenschein einen weihnachtlichen Chai (war im Angebot!) in den verfrorenen Händen zu halten und selig dem 24. entgegenzublicken. Und wer das nicht schafft, der hat Weihnachten nicht verstanden.

Puh.

Schon beim Schreiben dieses Absatzes kriege ich Stresspickel. Kein Wunder, dass Menschen explodieren, alte Wunden aufbrechen, Hektik herrscht und beinahe jeder um mich herum ausschaut, als wäre das Burn-Out nicht mehr weit.

Selbst der See hat schlechte Laune.

Aber bald ist es geschafft. Die wahre Weihnachtszeit ist ja doch eher die Zeit zwischen den Jahren, die noch nicht aufgeladen ist mit allerlei Konsum und sonstigem Gedöns. Und wenn der 2. Feiertag geschafft ist, kehrt Ruhe ein. Die Ruhe, die eigentlich schon im Advent gefragt wäre.

Also durchhalten, ihr Lieben, der Stress ist endlich und dann wird – fast alles – bestimmt – irgendwann – gut.

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Oh Du sowas von Fröhliche.

Grusel

Ich bin absolut grusel-inkompatibel. Manche Dinge gehen nach einer Eingewöhnungszeit, andere werde ich nie niemals nicht auch nur mit der Kneifzange angreifen. „Alien“ zum Beispiel. Vermutlich ist das mittlerweile alles ganz gut schaubar, weil das Hirn durch viele andere Dinge schon viel mehr 2020 ist als 1979 und Spezialeffekte eher witzig als gruselig wirken, aber, nö, ich mag nicht.

Manchmal teste ich. Da ploppt etwa „stranger things“ auf Netflix auf. Ich habe grade abends schon im dunkeln auf dem iPad „Downtown Abbey“ fertig geschaut und erinnere mich in einer Rezension gelesen zu haben: Alles eher 80er, Winona Ryder fantastisch, kleine Jungs auf Fahrrädern, ach, denke ich, kann man ja mal probieren. Erste Szene: Wir folgen einer langsamen, zögerlichen Kamera durch neonflackerlichtbeleuchtete Katakomben, es huscht der ein oder andere nervöse Wissenschaftler weissbekittelt durch’s Bild, die Kamera bleibt vor einer Plexiglas-Scheibe stehen, dahinter Nebel, Stille.

Und – zack – fliegt ein alienartiges Dings mit seinen Tentakeln vor die Scheibe, entsprechende Soundeffekte dazu bitte vorstellen. Ich war fertig. Schlafen war passé, den Rezensions-Schreiber habe ich verflucht und der Weg vom Sofa ins Bett war in dieser Nacht unglaublich weit und gespickt von Sonderbarkeiten.

Irgendwann habe ich dann aber doch im sehr hellen Nachmittagslicht weitergeschaut. Da haben die Schatten nicht mehr eine solche Wucht und den Ton kann man zwischenzeitlich vielleicht auch abdrehen. Und das bisschen kribbeln, was übrig bleibt, ist selbst für mich Horror-Mimi erträglich.

 

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Pic by Charles via unsplash.com

 

 

 

Grusel

Kalt

Ich bin nicht bereit, für die kalte Jahreszeit. Ich mag nicht dicke Jacken und Socken tragen, nicht die Mütze. Ich würde gerne noch eine Weile barfuß laufen und nur T-Shirts aus der Waschmaschine klauben, die dann an der Luft trocknen. Ich glaube in diesem Jahr ist so viel über den Klima-Wandel diskutiert worden, dass mein inneres System sagt: Alles klar, im Dezember gehst du eh noch baden, im Februar ernten wir die Erdbeeren, weil kalt wird es nie wieder. Zwei Grad Erderwärmung plus, verschiedentliche Ausschläge der Temperaturen in verschiedenen Regionen, ergo wird Vorarlberg eine neue kanarische Insel.

Ich bin nicht bereit. November ist nicht mein Monat, winterkühler Nebel nicht mein Wetter und kalte Füße und kaum aufzuwärmende Hände sind nicht mein favorisierter Zustand. Und doch: Irgendwie sollte ich froh sein, das es kalt wird, weil es dann irgendwann auch wieder warm wird. Und die Farben, an den schönen November-Tagen sind kaum zu toppen: Strahlende Herbst-Töne von fallenden Blättern, ein klirrender Himmel und See. So wie die Kälte überrascht mich jedes mal im tiefen Herbst die Schönheit, die sie mit sich bringt.

Bereit bin ich trotzdem nicht.

 

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Kalt

Frei drehen

Heute ist einer dieser Tage, die aus dem Kalender katapultiert gehören. Viel zu viel zu tun, viel zu viel, dass sich nicht tun lässt, das sich des mit sich tun Lassens verweigert.

Und ich? Möchte das auch. Mich verweigern heute. Der Technik verweigern. Nicht ans Telefon gehen. Nicht den Rechner hochfahren. Nicht Zahlen verdrehen beim Layouten. Nicht Kaffee umwerfen beim Aufstehen vom Tisch und alles über die frisch gewaschene Hose schütten. Einem Tag, der solche Elemente zuhauf raushaut sollte man den Stinkefinger zeigen und sagen: Weißte was? Ich mag nicht mehr. Ich dreh jetzt frei.

Frei drehen.

Was für ein zauberhafter Begriff. Sich frei drehen zu können, ohne anzustoßen. Luftzug genießen dabei. Ein bißchen wie Karussell fahren. Dabei die Augen schließen, nach oben gucken und warten, bis die weißen Sternchen vor den Liedern tanzen. Da kommt das Grinsen von ganz allein.

Sollten wir öfter machen. Frei drehen. Einfach so.

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Frei drehen