Nicht alltäglicher Wahnsinn.

Vor einigen Jahren gab es im TV so Hunde-Erziehungsserien. Hund Rambo war sehr aggressiv und eigentlich nur ängstlich, beim anderen war Herrchen oder Frauchen etwas unsicher und Burschi hat gemacht, was er wollte, oft war es eine Frage der Beziehung.

In einer Folge gab es ein Hundepaar, einen großen gemütlichen und einen kleinen agilen, die bei Abwesenheit der Menschen jedes Mal die Wohnung in ein Schlachtfeld verwandelten. Die Fernsehmenschen installierten Kameras und man konnte deutlich sehen, wie der kleinere den großen anstiftet. Am Ende räumten sie den Kühlschrank aus, warfen Blumenvasen vom Tisch und zerbissen Schuhe. Die Lösung war ein Halsband, das bei schlechtem Benehmen einen Sprühmechanismus aktivierte. Der Hund wurde nass. Das Gesicht, soweit man davon sprechen kann, des kleinen agilen Hundes als er vom Strahl getroffen wurde, war unbeschreiblich. Ein paar mal hat er noch die Grenzen getestet und sich dann entschlossen, diese nicht mehr zu überschreiten. Zu unangenehm die Erfahrung ungewollt geduscht zu werden.

Möglicherweise lässt sich das Prinzip auf Menschen übertragen. Möglicherweise könnte man auch den zarten Wasserstrahl gegen so einen Eiskübel aus der Sauna tauschen. Bei jeder abfälligen, gehässigen, egozentrischen, herabwürdigen Bemerkung einfach mal – zack – einen Kübel leeren. Zum Lernen. Weil es verletzt und Grenzen überschreitet. Weil es anders nicht einzudämmen ist.

Ein Gedankenspiel. Und ganz ehrlich würde mich interessieren, welche wahre Emotion darunter zum Vorschein kommt. Wie bei Rambo oder Burschi eben. So groß scheint mir der Unterschied zwischen Hunden und Menschen in diesem Punkt nicht zu sein.

Nicht alltäglicher Wahnsinn.

Rhythmus.

Es ist ein wenig verhext bisher, dieses Jahr 2017. Fing es erst mal gut und ordentlich an, kam Mitte Januar dann eine kleine, geplante OP, die mich doch erst mal zwei Wochen ausschaltete, dann mit Komplikationen aufwartete und seit dem, also circa seit Anfang Februar, plagt mich ein grippaler Infekt. Bisher hat es also noch nicht wieder so recht geklappt mit einem guten Rhythmus, dem normalen Alltag. Immer stolpere ich ein wenig den Projektdeadlines hinterher oder jage meine Tochter mit dem Taschentuch, denn die hat es auch erwischt.

Heute scheint dann endlich mal die Sonne und gleich hat es bei uns unfassbare 18° Celsius. Da kann man von den Moonboots direkt ins T-Shirt springen. Wunderschön und anstrengend gleichermaßen.

Ich freue mich darauf, endlich wieder unseren Terrassen-Garten nutzbar zu machen, die dicken Schuhe im Keller einzumotten für nächstes Jahr und die Jacke zuhause zu lassen. Und vielleicht klappt das dann auch endlich wieder mit der Gesundheit und dem Rhythmus. Derweil folgen wohl noch diverse Wasserfarbenkunstwerke, Strickstücke und Taschentuchjagdszenen. Hat ja unter Umständen auch mal was, so ein wenig Unsortieriertheit.

Rhythmus.

Gut gegen Langeweile.

Unlängst im Schneuzdelirium lud ich eine App: Die IQ Test App der Uni in Ulm. Eine nette Spielerei. Forscher der Uni Ulm schauen sich an, ob es möglich ist den IQ über eine App zu ermitteln. Das funktioniert auf Basis von 6 kleinen Spielen. Dazu gibt es noch ein Quiz, ähnlich des Quizduells und einen kleinen Persönlichkeits-Test. Das richtige für ein paar Minuten Ablenkung an verregneten Nachmittagen.

Ich schlage mich also durch die 6 Spiele. Es erwartet mich ein refresh-Button, der mir auf Knopfdruck meinen IQ verraten soll. Geht nicht. Ich schaue ob ich Internet habe. Geht immer noch nicht. Vielleicht mit LTE? Auch nicht. Ich beschließe eine Mail zu schreiben.

„Hallo, leider geht der refresh-Button nicht, ich bin frustriert.“

Ich erwarte: Nichts. Wer soll sich schon die Mühe machen für so eine kleine App einen Support anzubieten?
10 Minuten später eine Antwort.

„Hallo, haben Sie alles gespielt und Internet?“

Ich: „Wow! Da gibt es ja jemanden auf der anderen Seite! Ja, habe ich. Sowohl als auch.“

„Oh, dann gucke ich mal. Sieht so aus, als hätten sie ziemlich viele Fragen gespielt. Da bricht wohl einfach der Upload ab. Ich bringe mal ein Update auf den Weg, das sollte morgen erledigt sein.“

Ich bin ehrlich beeindruckt. Und meinen IQ hat mir der nette Entwickler am anderen Ende der Leitung auch gleich noch ausgerechnet. Aber bevor das jetzt hier in „Gut gegen Nordwind“ ausartet spiele ich doch lieber noch ein paar Quizfragen.

Gut gegen Langeweile.

Ysop ist ein schönes Wort.

Ich bin erkältet. So richtig mit dicker Nase, dickem Kopp und einem Taschentuchverbrauch im Gegenwert eines asiatischen Kleinwagens. Und so dümpel ich von Sofa zu Laptop zu Bett zu Büro. Als Freiberufler ist man zwar krank, aber so ein bißchen Mails checken geht dann doch. Und dann kommt die Zeit, wo es nervt, langweilig wird, der Lagerkoller einsetzt und frau wieder beginnt Pläne zu schmieden.

Natürlich ist da ravelry. Stricken geht ja praktisch immer. Und auch sonst wäre ich gerne wieder kreativer. Würde gerne mehr mit den Händen arbeiten. Ich bin kein besonders guter Zeichner, aber Handlettering interessiert mich. Und just hat ein Kollege Stifte bestellt, mit denen sogar meine Handschrift zuckerschön aussieht. Ich denke, die muss ich mir mal besorgen. Eigentlich gedacht für Flipchart-Illustrationen und grafische Veranschaulichung von Abläufen, Skizzen, etc. hat die Firma Neuland ein wirklich erschwingliches Sortiment wunderbarer Stifte. Und in Kombination mit dem zauberhaften Buch „Lust auf Lettering“, erschienen in meinem geliebten Verlag Hermann Schmidt Mainz, sollte es doch wirklich klappen, mit den tollen Buchstaben. Vorausgesetzt natürlich die Zeit in gesundem Zustand reicht, um ins Thema zu tauchen und ebenfalls vorausgesetzt: ich habe mir bis dahin noch nicht das Hirn rausgeschneutzt.

Ysop ist ein schönes Wort.

High-land.

Falls sich jemand gefragt hat, ob ich noch stricke: Ja, tue ich, ohne Ende. Und im Grunde könnte ich auch den Großteil meiner Zeit darüber schreiben, weil ich eine so unglaubliche Freude an dem Material habe, daran, das etwas entsteht, an den Farben, der Haptik und am Erfolgserlebnis sich durch eine komplexe Anleitung gekämpft zu haben mit meist respektablem Ergebnis.

Mit Omas alter Wollkiste hat das nur noch wenig zu tun. Wer ein wenig recherchiert findet ein ganz eigenes Universum mit kleinen Wollmanufakturen, Strickdesignern, Färbestudios und Anleitungsmonstern. Herausragend hier ist wohl ravelry.com. Dort findet man, auf einer zugegebenermaßen gewöhnungsbedürftigen Website alles. Und ich meine wirklich alles. Über 40.000 Anleitung für alles was sich stricken oder häkeln lässt. Unfassbar.

Hier bin ich auch über Kate Davies gestolpert. Eine Schottin, die ihre eigene Wolle herstellt, Anleitungen verkauft und Bücher schreibt. Ich bin verliebt. In die Muster, die Bilder, vielleicht auch ein bißchen in Schottland. Jedenfalls werde ich jetzt erst mal diese zuckersüßen Goats of inversnaid  fertig stricken und mich über jede neue gelungen Ziege freuen wie ein Kleinkind über den Schnee. Und dann kann er von mir aus kommen, der Highlander.

High-land.

Picture me.

Alle paar Jahre erfährt unsere Foto-Wand eine Auffrischung. Ich mag das sehr, alte Bilder aussortieren, durch neue ersetzen, lebendig bleiben. Außerdem ist Fotos entwickeln etwas so schön altmodisches. Man muss aussuchen, sortieren, bestellen, warten und immer ist es spannend, wie die Dinger dann aus der Tüte kommen. Dann nochmal auswählen, Zeit investieren, an die Wand kleben, sich freuen.

Und ganz nebenbei fallen einem vergessene Geschichten wieder ein. Bereiste Orte werden neu belebt und die Melancholie feiert eine Party.

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Picture me.

May all beings be happy.

Zwischen Weihnachten und Sylvester war ich seit langem mal wieder im Kino. Sogar zum ersten mal in meinem Leben bei einer Kino-Premiere. Der „Happy Film“ von Grafik-Designer Stefan Sagmeister feierte am 28.12.16 seine Österreichpremiere. Und ich war da, olé!

Im Film erforscht Stefan Sagmeister das Glück. Nicht im Allgemeinen, das würde sämtliche Rahmen sprengen, sondern sein eigenes, denn dafür ist er, wie könnte es anders sein, Experte. Wie lässt sich das persönliche Glück nachweislich steigern? Ein Glücksforscher im Film sagt: Ganz einfach.

Erstens. Durch Meditation.
Zweitens. Durch Therapie.
Drittens. Durch Drogen.

Sagmeister testet alle Methoden für drei Monate. Das ist sehr lustig, manchmal sehr traurig, sehr anrührend und hin und wieder auch zum unter den Kino-Stuhl kriechen, weil man phasenweise beim Hauptdarsteller mit im Bett sitzt.

Grafisch ist das Ding, selbstverständlich muss man fast sagen, eine Sensation. Wer die „Happy Show“ schon im Museum gesehen hat oder ein wenig mit Sagmeisters Arbeiten vertraut ist, weiß bescheid. Schrift wird aus Melonen geschnitzt oder getanzt, tausende Luftballons steigen mit darunter hängendem Menschen zum Himmel oder Beziehungen werden höchst liebevoll im Scherenschnitt illustriert.

Nach dem Film geht man, auch ohne Grafiker zu sein, beschwingt aus dem Kino.

Dicke Anschau-Empfehlung!

May all beings be happy.