Zeit.

Endlich habe ich sie mal. Zeit. Zeit, um aufzuräumen, Zeit, zu stricken, Zeit, Projekte anzugehen, die schon ewig auf Halde liegen und auf Realisation warten.

Und doch ist da dieser kleine Wicht im Kopf, der spricht: „Ich bin dein Gewissen! Du als Selbständige solltest arbeiten. Arbeiten und nochmal arbeiten. Du solltest niemals ruhen, denn dann springen deine Kunden davon. Du sollest Eigenmarketing betreiben, denn sonst wird das nichts und in einem Jahr kennt niemand mehr deinen Namen.“ Und dann lacht er dreckig, der Wicht, und ich glaube ihm ein bißchen. Weil ich gelernt habe, zu glauben.

Und dann kommt dieser befreiende Moment, in dem ein anderer Wicht – und den mag ich bedeutend lieber – in meinem Kopf mit Verve dagegen hält: „Du hast echt mächtig geschuftet! Jetzt fahr mal die Ernte ein, werde richtig gesund und tue, was schön ist!“ Und dann streckt Wicht B Wicht A die Zunge heraus und zeigt ihm eine lange Nase. Und Wicht A rumpelt noch eine Weile frustriert herum, um dann – vorläufig – mit einem gemurmelten „Mach doch was Du willst!“ meinen Kopf zu verlassen. Ich kraule Wicht B ein bißchen hinter den Ohren und beschließe ihm vielleicht ein Mützchen zu stricken. Denn die Zeit dazu habe ich ja grade.

 

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Zeit.

Nicht alltäglicher Wahnsinn.

Vor einigen Jahren gab es im TV so Hunde-Erziehungsserien. Hund Rambo war sehr aggressiv und eigentlich nur ängstlich, beim anderen war Herrchen oder Frauchen etwas unsicher und Burschi hat gemacht, was er wollte, oft war es eine Frage der Beziehung.

In einer Folge gab es ein Hundepaar, einen großen gemütlichen und einen kleinen agilen, die bei Abwesenheit der Menschen jedes Mal die Wohnung in ein Schlachtfeld verwandelten. Die Fernsehmenschen installierten Kameras und man konnte deutlich sehen, wie der kleinere den großen anstiftet. Am Ende räumten sie den Kühlschrank aus, warfen Blumenvasen vom Tisch und zerbissen Schuhe. Die Lösung war ein Halsband, das bei schlechtem Benehmen einen Sprühmechanismus aktivierte. Der Hund wurde nass. Das Gesicht, soweit man davon sprechen kann, des kleinen agilen Hundes als er vom Strahl getroffen wurde, war unbeschreiblich. Ein paar mal hat er noch die Grenzen getestet und sich dann entschlossen, diese nicht mehr zu überschreiten. Zu unangenehm die Erfahrung ungewollt geduscht zu werden.

Möglicherweise lässt sich das Prinzip auf Menschen übertragen. Möglicherweise könnte man auch den zarten Wasserstrahl gegen so einen Eiskübel aus der Sauna tauschen. Bei jeder abfälligen, gehässigen, egozentrischen, herabwürdigen Bemerkung einfach mal – zack – einen Kübel leeren. Zum Lernen. Weil es verletzt und Grenzen überschreitet. Weil es anders nicht einzudämmen ist.

Ein Gedankenspiel. Und ganz ehrlich würde mich interessieren, welche wahre Emotion darunter zum Vorschein kommt. Wie bei Rambo oder Burschi eben. So groß scheint mir der Unterschied zwischen Hunden und Menschen in diesem Punkt nicht zu sein.

Nicht alltäglicher Wahnsinn.

Rhythmus.

Es ist ein wenig verhext bisher, dieses Jahr 2017. Fing es erst mal gut und ordentlich an, kam Mitte Januar dann eine kleine, geplante OP, die mich doch erst mal zwei Wochen ausschaltete, dann mit Komplikationen aufwartete und seit dem, also circa seit Anfang Februar, plagt mich ein grippaler Infekt. Bisher hat es also noch nicht wieder so recht geklappt mit einem guten Rhythmus, dem normalen Alltag. Immer stolpere ich ein wenig den Projektdeadlines hinterher oder jage meine Tochter mit dem Taschentuch, denn die hat es auch erwischt.

Heute scheint dann endlich mal die Sonne und gleich hat es bei uns unfassbare 18° Celsius. Da kann man von den Moonboots direkt ins T-Shirt springen. Wunderschön und anstrengend gleichermaßen.

Ich freue mich darauf, endlich wieder unseren Terrassen-Garten nutzbar zu machen, die dicken Schuhe im Keller einzumotten für nächstes Jahr und die Jacke zuhause zu lassen. Und vielleicht klappt das dann auch endlich wieder mit der Gesundheit und dem Rhythmus. Derweil folgen wohl noch diverse Wasserfarbenkunstwerke, Strickstücke und Taschentuchjagdszenen. Hat ja unter Umständen auch mal was, so ein wenig Unsortieriertheit.

Rhythmus. was originally published on Grafikbüro Grünkariert

Rhythmus.

Error.

Gestern Abend.

Ich vernähe die letzten Fäden an meinem neuen Stricktuch und freue mir einen doppelten Butterkeks. Fast habe ich gedacht ich schmeiße es in die Ecke, so sehr haben mich die letzten Segmente genervt. Wenn man an einer Reihe 20 Minuten stricken muss, überlegt man sich wirklich weiterzumachen. Aber es hat sich gelohnt.

Jetzt Hunger. Spontan beschlossen noch ein paar Pokémon zu fangen – ja, das spiele ich und es macht tatsächlich richtig Spaß, sofern der Server nicht dauernd zusammenklappt – und einen Dürum zu holen. Im Dönerladen unseres Vertrauens kurz vor Ladenschluss bestellt. Wir gehen häufig und gerne dorthin, mögen die Besitzer sehr. Wir kommen ins Reden. Ob wir schon im Urlaub waren, fragt sie. „Ja, wir waren schon. Fahrt ihr auch noch nach Hause?“ frage ich. „Nein, die Lage ist grade zu unsicher. Wir kommen aus der Nähe von Ankara. Wir sind kurdische Aleviten und hier definitiv sicherer.“

Und da ist es plötzlich, das Weltgeschehen. Mitten zwischen Handy-App, Strickfreude und dem Luxus sich spontan am Abend etwas zu essen holen zu können. Überhaupt dieser unglaubliche Luxus. Nicht sehr weit entfernt müssen Menschen um Ihre Leben und Lieben fürchten, können nicht nach Hause. Was für eine bekloppte, abstruse, absurde, verkackte Welt das manchmal ist.

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Error.

Error.

Gestern Abend.

Ich vernähe die letzten Fäden an meinem neuen Stricktuch und freue mir einen doppelten Butterkeks. Fast habe ich gedacht ich schmeiße es in die Ecke, so sehr haben mich die letzten Segmente genervt. Wenn man an einer Reihe 20 Minuten stricken muss, überlegt man sich wirklich weiterzumachen. Aber es hat sich gelohnt.

Jetzt Hunger. Spontan beschlossen noch ein paar Pokémon zu fangen – ja, das spiele ich und es macht tatsächlich richtig Spaß, sofern der Server nicht dauernd zusammenklappt – und einen Dürum zu holen. Im Dönerladen unseres Vertrauens kurz vor Ladenschluss bestellt. Wir gehen häufig und gerne dorthin, mögen die Besitzer sehr. Wir kommen ins Reden. Ob wir schon im Urlaub waren, fragt sie. „Ja, wir waren schon. Fahrt ihr auch noch nach Hause?“ frage ich. „Nein, die Lage ist grade zu unsicher. Wir kommen aus der Nähe von Ankara. Wir sind kurdische Aleviten und hier definitiv sicherer.“

Und da ist es plötzlich, das Weltgeschehen. Mitten zwischen Handy-App, Strickfreude und dem Luxus sich spontan am Abend etwas zu essen holen zu können. Überhaupt dieser unglaubliche Luxus. Nicht sehr weit entfernt müssen Menschen um Ihre Leben und Lieben fürchten, können nicht nach Hause. Was für eine bekloppte, abstruse, absurde, verkackte Welt das manchmal ist.

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Error.

Eine Erschütterung der Macht.

Erinnert sich zufällig jemand an Star Wars? An Meister Yoda? Und an dieses: „Ich fühle eine Erschütterung der Macht“-Zitat?

So in etwa geht es mir zur Zeit, wenn ich Nachrichten schaue. Die Briten treten aus der EU aus. Und diejenigen, die es am meisten befürwortet haben treten von der Verantwortung zurück. Die Österreicher wählen neu, weil das, was da zustande gekommen ist scheinbar nicht auf rechtem Wege passierte. Jetzt werden wieder die rhetorischen Messer gewetzt: Bis einer heult.

Menschen mit Machtstreben und wenig Empathie kämpfen sich tobend, polemisch und geifernd an die Spitze der Medienpräsenz und machen einen Rückzieher, wenn nach der Wutschnauberei konkrete Handlungen gefragt sind. Luftpumpen allerorten. Ich verstehe das alles nicht. Aber ich hoffe, um es mit Yoda zu sagen, dass die Macht mit denen sein wird, die tatsächlich das Gute, das Mitfühlende, das Menschliche wollen.

Eine Erschütterung der Macht.

Eine Erschütterung der Macht.

Erinnert sich zufällig jemand an Star Wars? An Meister Yoda? Und an dieses: „Ich fühle eine Erschütterung der Macht“-Zitat?

So in etwa geht es mir zur Zeit, wenn ich Nachrichten schaue. Die Briten treten aus der EU aus. Und diejenigen, die es am meisten befürwortet haben treten von der Verantwortung zurück. Die Österreicher wählen neu, weil das, was da zustande gekommen ist scheinbar nicht auf rechtem Wege passierte. Jetzt werden wieder die rhetorischen Messer gewetzt: Bis einer heult.

Menschen mit Machtstreben und wenig Empathie kämpfen sich tobend, polemisch und geifernd an die Spitze der Medienpräsenz und machen einen Rückzieher, wenn nach der Wutschnauberei konkrete Handlungen gefragt sind. Luftpumpen allerorten. Ich verstehe das alles nicht. Aber ich hoffe, um es mit Yoda zu sagen, dass die Macht mit denen sein wird, die tatsächlich das Gute, das Mitfühlende, das Menschliche wollen.

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Eine Erschütterung der Macht.