Klischee ade.

Gestern war Freibad. Nach sehr arbeitsintensiven Wochen davor hatte ich gestern endlich etwas Muße und dachte mir: Montag Vormittag, eineinhalb Stunden Zeit bis zum nächsten Termin, ich gehe schwimmen.

Das Freibad war sehr leer. Auf der Liegewiese fanden sich hauptsächlich nahtlos durchgebräunte Rentner und ein paar Familien mit kleinen Kindern. Ich schwamm meine paar Bahnen, warf mein Handtuch auf die Wiese und lies mich trocknen. Herrlich.

Dann plötzlich: Lauter youtube-Sound von links. Offensichtlich irgendeines dieser vermaledeiten Quatschvideos, die gerne auch über whatsapp von mittelalten Tanten verschickt werden. Eines nach dem anderen in voller Lautstärke, dazu lautes Gelächter und Gegacker. Immer diese Teenies denke ich mir und schaue rüber. Ich muss revidieren. Immer diese Rentner! Da sitzen Omma eins und Omma zwei mit Oppa eins, schauen sich auf einem Smartphone Unsinn an und lachen sich krumm.

Eigentlich ganz süß. Denke ich. Würden sie nicht grade in meiner ein-Stunden-Idylle liegen. Ist eh fast rum die Zeit, ich packe zusammen und mache mich auf zum nächsten Termin.

Und die Moral von der Geschicht? Das Vorurteil hat manchmal Gicht.

Klischee ade. was originally published on Grafikbüro Grünkariert

Advertisements
Klischee ade.

Klischee ade.

Gestern war Freibad. Nach sehr arbeitsintensiven Wochen davor hatte ich gestern endlich etwas Muße und dachte mir: Montag Vormittag, eineinhalb Stunden Zeit bis zum nächsten Termin, ich gehe schwimmen.

Das Freibad war sehr leer. Auf der Liegewiese fanden sich hauptsächlich nahtlos durchgebräunte Rentner und ein paar Familien mit kleinen Kindern. Ich schwamm meine paar Bahnen, warf mein Handtuch auf die Wiese und lies mich trocknen. Herrlich.

Dann plötzlich: Lauter youtube-Sound von links. Offensichtlich irgendeines dieser vermaledeiten Quatschvideos, die gerne auch über whatsapp von mittelalten Tanten verschickt werden. Eines nach dem anderen in voller Lautstärke, dazu lautes Gelächter und Gegacker. Immer diese Teenies denke ich mir und schaue rüber. Ich muss revidieren. Immer diese Rentner! Da sitzen Omma eins und Omma zwei mit Oppa eins, schauen sich auf einem Smartphone Unsinn an und lachen sich krumm.

Eigentlich ganz süß. Denke ich. Würden sie nicht grade in meiner ein-Stunden-Idylle liegen. Ist eh fast rum die Zeit, ich packe zusammen und mache mich auf zum nächsten Termin.

Und die Moral von der Geschicht? Das Vorurteil hat manchmal Gicht.

Klischee ade. was originally published on Grafikbüro Grünkariert

Klischee ade.

Wortklauberei.

Im Mai wird meine Tochter vier. Und sie quasselt praktisch ununterbrochen. Das ergibt dann diese wunderbaren und für nicht-Eltern manchmal nervigen Anekdoten. Die schönste auf unserem Papier bisher: Es geht um das diffizile Thema Sterben. Die Oma C. zum Opa H., die gibt es schon länger nicht mehr. Wo die hin ist, wenn sie gestorben ist, fragt das Kind. Und ich sage, alte Geschichten nachplappernd, im Himmel. Das Kind überlegt kurz und fragt dann, ob wir sie da nicht besuchen könnten. Mit dem Flugzeug. Schließlich wären wir auf dem Weg in den Urlaub auch in den Wolken gewesen. Kurz bleibt mir die Spucke weg und ich stelle fest, das der alte christliche Hokuspokus in unserer technisierten Welt nicht mehr so recht funktioniert.

Und etwas anderes fällt mir an der Sprache meiner Tochter auf.
„Mama, ich liebe Schokoladeneis! Und ich liebe die Kindergartentante 1 und die Kindergartentante 2!“

Ist das schön. Ich bilde mir ein wir sind früher über „mögen“ nicht hinaus gekommen. Und eigentlich schränkt das die Zugewandheit doch ordentlich ein, wenn man etwas höchsten „mögen“ darf. Oder hat sich da schon der amerikanische Sprachgebrauch durchgesetzt? I’m lovin‘ it? Na wir werden sehen. Zur Zeit jedenfalls, genieße ich das. Und bin gespannt, wann das hassen folgt. Vielleicht dann mit fünf, spätestens wohl mit Vierzehn.

Wortklauberei. was originally published on Grafikbüro Grünkariert

Wortklauberei.

Wortklauberei.

Im Mai wird meine Tochter vier. Und sie quasselt praktisch ununterbrochen. Das ergibt dann diese wunderbaren und für nicht-Eltern manchmal nervigen Anekdoten. Die schönste auf unserem Papier bisher: Es geht um das diffizile Thema Sterben. Die Oma C. zum Opa H., die gibt es schon länger nicht mehr. Wo die hin ist, wenn sie gestorben ist, fragt das Kind. Und ich sage, alte Geschichten nachplappernd, im Himmel. Das Kind überlegt kurz und fragt dann, ob wir sie da nicht besuchen könnten. Mit dem Flugzeug. Schließlich wären wir auf dem Weg in den Urlaub auch in den Wolken gewesen. Kurz bleibt mir die Spucke weg und ich stelle fest, das der alte christliche Hokuspokus in unserer technisierten Welt nicht mehr so recht funktioniert.

Und etwas anderes fällt mir an der Sprache meiner Tochter auf.
„Mama, ich liebe Schokoladeneis! Und ich liebe die Kindergartentante 1 und die Kindergartentante 2!“

Ist das schön. Ich bilde mir ein wir sind früher über „mögen“ nicht hinaus gekommen. Und eigentlich schränkt das die Zugewandheit doch ordentlich ein, wenn man etwas höchsten „mögen“ darf. Oder hat sich da schon der amerikanische Sprachgebrauch durchgesetzt? I’m lovin‘ it? Na wir werden sehen. Zur Zeit jedenfalls, genieße ich das. Und bin gespannt, wann das hassen folgt. Vielleicht dann mit fünf, spätestens wohl mit Vierzehn.

Wortklauberei. was originally published on Grafikbüro Grünkariert

Wortklauberei.

Tolle Wolle.

Schon seit längerem fasziniert mich das alte Handwerk des Strickens. Das hat heutzutage nur noch sehr wenig mit diesen mörderischen Polyester-Biestern von Oma zu tun, die als sackförmiges etwas an unglücklichen Kinderkörpern hingen. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Menschen, die hochwertige Wolle in Kleinmengen herstellen, färben und verkaufen. Menschen, die Strickmuster entwerfen, bunt, wild, schlicht, schön, kreativ. Da wird Wolle kaufen zur Schatzsuche. Und auch wenn man nicht strickt, kann man tagelang mit den Strängen kuscheln, es spricht Haptik und Herz gleichermaßen an.

Und dann gibt es da noch etwas. Erinnert Ihr Euch an die Brieffreundschaften als Kind? Das zappelige warten, bangen hoffen, ob da noch was kommt? Was da wohl kommt? Genau. Dieses Gefühl stellt sich wieder ein, wenn man bei woolswap teilnimmt. Hier geht es, wie der Name schon sagt, um Wolltausch. Die Idee dahinter: Manche Garne sind in Europa schwer zu bekommen, andere Materialien gibt es nur in Asien oder in den USA.

Alle paar Monate können sich StrickerInnen auf woolswap registrieren, werden einander zugelost und nehmen zunächst einmal Kontakt auf. Man entscheidet, ob man nur national oder international tauschen möchte. Und dann schnürt man ein Päckchen für den Wolltausch-Brieffreund. Natürlich mit Wolle und dazu noch so allerlei, was dem Menschen auf der anderen Seite der Welt, in meinem Fall eine Dame aus der Nähe von San Francisco, gefallen könnte. Was hat mir das Spaß gemacht.

Dann schickt man sein Päckchen und wartet.

Und dann kommt ein Päckchen.

Ich bin ausgeflippt. Aber so richtig. Und habe das Päckchen zuerst aus, dann wieder eingepackt. Und immer, wenn die Tage schlecht sind, knuddel ich dieses unfassbare Shibui-Garn. Und klimpere mit meinen Maschenmarkierern. Und schnuppere an den Lo-Lo-Bars. Es ist fantastisch. Und ich bin geschüttelt und gerührt. Und kann nur jedem empfehlen einmal im Leben einem völlig fremden Menschen ein Päckchen zu schnüren und zu tauschen. Weihnachten könnte nicht schöner sein.

 


 

 

Tolle Wolle. was originally published on Grafikbüro Grünkariert

Tolle Wolle.

Tolle Wolle.

Schon seit längerem fasziniert mich das alte Handwerk des Strickens. Das hat heutzutage nur noch sehr wenig mit diesen mörderischen Polyester-Biestern von Oma zu tun, die als sackförmiges etwas an unglücklichen Kinderkörpern hingen. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Menschen, die hochwertige Wolle in Kleinmengen herstellen, färben und verkaufen. Menschen, die Strickmuster entwerfen, bunt, wild, schlicht, schön, kreativ. Da wird Wolle kaufen zur Schatzsuche. Und auch wenn man nicht strickt, kann man tagelang mit den Strängen kuscheln, es spricht Haptik und Herz gleichermaßen an.

Und dann gibt es da noch etwas. Erinnert Ihr Euch an die Brieffreundschaften als Kind? Das zappelige warten, bangen hoffen, ob da noch was kommt? Was da wohl kommt? Genau. Dieses Gefühl stellt sich wieder ein, wenn man bei woolswap teilnimmt. Hier geht es, wie der Name schon sagt, um Wolltausch. Die Idee dahinter: Manche Garne sind in Europa schwer zu bekommen, andere Materialien gibt es nur in Asien oder in den USA.

Alle paar Monate können sich StrickerInnen auf woolswap registrieren, werden einander zugelost und nehmen zunächst einmal Kontakt auf. Man entscheidet, ob man nur national oder international tauschen möchte. Und dann schnürt man ein Päckchen für den Wolltausch-Brieffreund. Natürlich mit Wolle und dazu noch so allerlei, was dem Menschen auf der anderen Seite der Welt, in meinem Fall eine Dame aus der Nähe von San Francisco, gefallen könnte. Was hat mir das Spaß gemacht.

Dann schickt man sein Päckchen und wartet.

Und dann kommt ein Päckchen.

Ich bin ausgeflippt. Aber so richtig. Und habe das Päckchen zuerst aus, dann wieder eingepackt. Und immer, wenn die Tage schlecht sind, knuddel ich dieses unfassbare Shibui-Garn. Und klimpere mit meinen Maschenmarkierern. Und schnuppere an den Lo-Lo-Bars. Es ist fantastisch. Und ich bin geschüttelt und gerührt. Und kann nur jedem empfehlen einmal im Leben einem völlig fremden Menschen ein Päckchen zu schnüren und zu tauschen. Weihnachten könnte nicht schöner sein.

 


 

 

Tolle Wolle. was originally published on Grafikbüro Grünkariert

Tolle Wolle.