Zu laut.

Draußen ist Herbst. Mit allen Facetten. Das Licht kitschig golden, manchmal dauerverregnete Tage, Nebel und hin und wieder schon eine Kälte, die die Knochen durchschüttelt. Blätter fallen, wie jedes Jahr und doch sind die Dinge anders.

Drinnen ist Geschrei. Trump twittert vornehmlich in Großbuchstaben, Corona treibt die wildesten Theorien aus den Menschen heraus, Wahlkampfplakate brüllen ihre Botschaften von Laternen. Wer nicht schreit hat nicht zu sagen, so scheint es.

Es ist so anstrengend. Das dauernde Gebrüll, das Besserwissen, das: Ich-muss-nur-lauter-sein-als-mein-Gegenüber.

Wann genau haben wir verlernt, wie Dialog funktioniert? Wann haben wir verlernt zuzuhören? Seid wann gibt es nur zwei Seiten und eine davon muss die andere niederringen? Waren wir nicht schon weiter? Durften nicht mal Dinge auch nebeneinander existieren? Meinungen, Diskurse, Abwägen, mal eine Nacht drüber schlafen?

Mir ist das alles oft zu laut. Vielleicht sollten wir öfter durch den Herbstwald laufen und den Blättern beim Rascheln zuhören. Verlernt man ja direkt, auf die kleinen Töne zu achten. Und ganz nebenbei entkommt man dann auch dem Gebrüll der Welt. Ganz unkompliziert. Und leise.

Zu laut.

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